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DVD Live From Madison Square Garden

Geschrieben von P. Hellriegel am 01.12.2009 in der Kategorie: DVD

Eric Clapton & Steve Winwood – der große und der kleine BruderLive From Madison Square Garden: Eric Clapton & Steve Winwood

Wenn ein in die Jahre gekommener Gitarren-“Gott“ und ein angegrauter Eigenbrötler und Multi-Instrumentalist für ein paar Konzerte wieder gemeinsam Bühnenbretter entern, klingt das wenig nach Sensation: erst recht wenn man weiß, dass die beiden Urgesteine des britischen Rock und Blues seit einigen Jahren gute Freunde sind  – was nicht immer so war. In den Anfangstagen ihrer Zusammenarbeit haben sie sich – nach eigenen Aussagen – musikalisch respektiert und bewundert: mehr nicht.

Vielleicht doch ein bisschen mehr, denn Eric Clapton äußerte in einem Interview, dass er sich in den 60ern manchmal wie eine Art älterer Bruder von Steve Winwood gefühlt habe – obwohl er und Steve (zunächst) in verschiedenen Bands spielten. Doch gab es viele Begegnungen und Berührungspunkte.

Fans können das Konzert der beiden Rock-Urgesteine auf der DVD “Live From Madison Square Garden” jetzt noch einmal erleben.

Steve wurde 1963 im zarten Alter von 14 Jahren von Spencer Davies in dessen Group gelotst – und war bereits zu diesem Zeitpunkt ein Multitalent. Nr.-1-Hits wie “Keep On Running“ (mit Steves prägnantem Leadgesang)  machten ihn im Jahr 1966 bekannt.

Eric war 18, als er 1963 bei  Keith Relfs “Yardbirds“ einstieg. Als dem Blues-Fan die musikalische Ausrichtung der Band zu poppig wurde, wechselte er 1965 zu John Mayalls Bluesbreakers – um Mitte 1966 die damals als “Supergruppe“ bezeichnete Formation “Cream“ zu gründen, eine Band, die heute noch von vielen Rockmusikern und -gruppen als  Inspirationsquelle und kreatives Vorbild genannt wird.

Eric ClaptonMag sein, dass Eric Clapton in den Mittsechzigern erstmals mit dem Gedanken spielte, den frühreifen Bengel mit der schwarzen, souligen  Stimme und dem speziellen Feeling für unter die Haut gehende Hammond-Orgel-Sounds irgendwann einmal unter seine Fittiche zu nehmen. Immerhin hatte er längst Steves riesiges Talent erkannt, dessen Liebe zu den musikalischen R & B Roots teilte er ohnehin.

Schwer imponiert hat Mr. Slowhand damals vor allem Steves Mut, den als unantastbar geltenden Ray-Charles-Standard “Georgia On My Mind” zu interpretieren: Stimme plus Schweineorgel gleich Gänsehaut! Eric spricht heute noch ehrfurchtsvoll von dieser selbstbewussten Darbietung.

1969 war dann der richtige Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit gekommen: Steve hatte sich bei “Traffic“ (vorerst) ausgetobt und die endgültige musikalische  Reifeprüfung abgelegt – und Eric die Nase gestrichen voll von den ewigen Streitereien und Handgreiflichkeiten zwischen dem Teufelsdrummer Peter “Ginger“ Baker und dem schnell aufbrausenden Bassisten Jack Bruce  – seinen lieben Kollegen von “Cream“.

Doch das Kapitel von Blind Faith war (leider) nur ein kurzes. Clapton überließ bewusst seinem Kumpel Winwood die kreative Führungsrolle und fühlte sich  pudelwohl, sein ihm so verhasstes “Clapton is God“ Image ganz in den Schatten von Steve Genialität stellen zu können. Steve Winwood

Vielleicht dachte er ja auch: Lass den kleinen Bruder doch einfach mal machen! Und der machte – und wie! Bald jedoch spürte jeder in der  Band, dass die musikalischen Interessen arg  auseinanderdrifteten. Bakers enormer Drogenkonsum mit den dazugehörigen Entgleisungen kamen dazu, und die frustrierenden Banderfahrungen während der von einem gigantischem Medienspektakel begleiteten US-Tour verstärkten den Frust: Blind Faith stand vor dem Aus.

Winwood äußerte sich später über die Erwartungshaltung des amerikanischen Publikums während der USA-Gigs – Konzertbesucher, deren überwiegendes Bedürfnis nach geradlinigem Rock mit dem  musikalischen Selbstverständnis und Repertoire von Blind Faith kaum in Einklang zu bringen war.

Nach dem Break tourte Eric Clapton eine Zeitlang mit “Delaney And Bonnie“, mischte bei “Derek And The Dominos“ (“Layla“) mit und  begann dann eine erfolgreiche Solokarriere, die allerdings zeitweise von Drogenproblemen und privaten Katastrophen (sein Sohn kam bei einem tragischen Unfall ums Leben) überschattet wurde.

Steve Windwood ließ “Traffic“ wieder aufleben und etablierte sich in den späten 70ern ebenfalls als populärer Solokünstler und Millionseller (“Roll With It“). Einige Longplayer spielte der Tausendsassa übrigens komplett allein im Studio ein – vielleicht, weil er ausschließen wollte, dass ihn Mitmusiker mit irgendwelchen Streitereien auf die Nerven gehen.

Nachdem sie auf dem “Crossroads“-Festival (2007) schon so viel Spaß auf der Bühne hatten, lag der Wunsch einer weiteren Zusammenarbeit von Steve und Eric auf der Hand. Im Februar 2008 war es dann soweit: drei viel umjubelte Konzerte im Madison Square Garden, deren Essenz als Doppel-DVD und Doppel-CD vorliegt.

Über die Set-Liste der Auftritte einigten sich Eric und Steve in unkonventioneller Weise: Jeder sollte sich Lieblingstitel aus dem Repertoire des Kollegen wünschen: ein Konzept, das zu Beginn als kaum umsetzbar erschien. Doch die Freunde schafften es, indem sie immer wieder reduzierten, ausklammerten, strichen – bis am Ende eine Art persönliche Wunschliste vorlag: Erics Favoriten von Steve – und Steves Favoriten von Eric. Trotz einiger (beiderseitiger) Überraschungen spielten die beiden dann genau die Songs, die sie ausgesucht hatten.

In den Madison-Square-Garden-Konzerten trumpften Eric, Steve & Bandkollegen gang groß auf: Rock-, Blues- und Soul-Klassiker, grandiose Songs – sensationell gespielt – auch zur Begeisterung des Publikums. Steve und Eric harmonierten prächtig, hatten Spaß, liebten ihre Stücke. Winwood sang beseelt, brillierte an den Keyboards und spielte solide Gitarre. Claptons Stratocaster klang nie besser: gefühlvolle, flüssige Soli – und die Verneigung vor Persönlichkeiten wie Jimi Hendrix, J.J. Cale und Robert Johnson.

Der große und der kleiner “Bruder“ zeigten, dass sie es einfach noch drauf haben! So als hätten sie nie etwas anderes getan, als zusammen zu musizieren.

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