Der aktuell zu Ende gehende Sommer gab – zumindest in unseren Breiten – zu mancherlei Kritik Anlass. Und so scheint es jetzt an der Zeit, ähnlich wie in einer Fußball-Live-Reportage 10 Minuten vor Abpfiff des Spiels, eine vorläufige Bilanz zu ziehen: Zu unbeständig und zu kühl ist er gewesen –und natürlich viel zu nass.
Da ist viel Wahres dran. Und doch gab es auch schöne Tage. Zum Beispiel den 24.Juli, den Tag, an dem der neue Duden erschien.
Ich hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet: Rechtschreibreform, die 15te?! Sämtliche Regelungen und Empfehlungen nochmals neu überarbeitet? Nein, nein – weit gefehlt, nichts davon!
Nur minimale Änderungen in der 25. Auflage des Duden – und dafür 5.000 neue Wörter! Fünftausend neue Wörter, das ist für mich, im wahrsten Sinn des Wortes, ein ganz neuer Wortschatz. Bestehend aus funkelnagelneuen Wortdiamanten und echten Perlen der deutschen Sprache.
Ein erster Höhepunkt im neuen Duden schon beim Buchstaben A: die “Abwrackprämie” (S. 176)! Was hätten wir noch vor wenigen Jahren mit diesem Begriff verbinden können? Schwitzende Männer, die im fernen Asien mit Schweißbrennern bewaffnet, total marode Lastkähne zerlegen? Und heute: ein blitzsauberes, milliardenschweres Subventionsprogramm für die deutsche Autoindustrie.
Beim Buchstaben B stoßen wir auf Seite 243 zwischen Bad Aussee und Bad Brambach auf das ominöse “Bad Bank”. Nein – das ist kein neuer Kurort. Musste das unbedingt in den Duden? Ist es nicht so schon schlimm genug? Und dass eine Bank im Kern ihres Wesens moralisch fragwürdig ist, war mir ohnehin immer klar.

Schon beim C entdecken wir die nächste politikverursachte Wort-Neuschöpfung: “Campusmaut” (S. 306). Scherzhaft für Studiengebühren, lesen wir hier zur Erklärung aus der Duden-Redaktion. Ich habe schon von Studenten gehört, die’s gar nicht so witzig finden.
Und so geht es munter fort durchs Alphabet. Die Bleiwüste Duden lebt und überall öffnen sich neue Blüten der deutschen Sprache. Nein – keine Stilblüten. Da passt die Duden-Redaktion schon auf.
Apropos Wüste. Das führt mich nahtlos zurück zu unserem Sommer. Und zu meinem persönlichen Neuwort-Favoriten im aktuellen Duden: “Heizpilz” (S. 528). Denn erstens bin ich als Januarkind eine geborene Frostbeule und
zweitens schon seit Kindertagen ein leidenschaftlicher Schwammerlsucher. Was also kann es für mich Schöneres geben, als an einem dieser verregneten, lausig kühlen Stadtfest -Sommerabende 2009 unterm Heizpilz Pils zu trinken?
Fazit: Die Anschaffung des neuen Dudens (25. Auflage, 2009) lohnt sich auch bezüglich des Unterhaltungswerts. Und brauchen tut man ihn ja sowieso. (reme)
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