Was wäre, wenn mitten in Deutschland eine Atombombe explodiert?
In diesen Tagen feiern wir das 20. Jubiläum des Falls der Berliner Mauer, der das Ende des Kalten Kriegs markierte. Seit damals scheint die Gefahr einer Selbstzerstörung der Menschheit, die immerhin vierzig Jahre lang sehr real war, vorerst gebannt zu sein.
Mindestens zweimal – während der Kubakrise 1962 und aufgrund einer gefährlichen Verkettung von Missverständnissen im November 1983 – standen wir am Rand eines globalen Atomkriegs. Doch es ging noch einmal gut, sonst könnte ich diese Zeilen nicht schreiben und Sie sie nicht lesen.
Paradoxerweise ist jedoch die reale Gefahr durch Atombomben seit dem November 1989 eher gewachsen als zurückgegangen. Zwar ist es zurzeit kaum noch vorstellbar, dass tatsächlich ein atomarer Konflikt zwischen den Supermächten wie Russland, China und den USA ausbrechen könnte. Angesichts aufstrebender Atommächte ist es allerding nicht abwegig, dass Terroristen nicht zögern würden, eine Atombome einzusetzen, wenn sie diese in die Hände bekommen würden.
Dieses Szenario habe ich meinem Roman „Schwarzer Regen“ zugrunde gelegt. Doch mir ging es dabei nicht nur um den Anschlag selbst, sondern vor allem um die Frage, welche Folgen eine solche Katastrophe haben könnte – für uns, für unsere Demokratie, für die so unangreifbar scheinende europäische Zusammenarbeit.
„Die größte Sorge aller Sicherheitskräfte ist, dass innerhalb des terroristischen Netzwerkes ein Anschlag mit nuklearem Material vorbereitet werden könnte“, sagte der damalige Bundesinnenminister Schäuble im September 2007 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Viele Fachleute sind inzwischen überzeugt, dass es nur noch darum geht, wann ein solcher Anschlag kommt, nicht mehr, ob.“ Schäuble meinte wohl in erster Linie eine so genannte „schmutzige“, d.h. mit radioaktivem Material verseuchte konventionelle Bombe.
In meinem Buch “Schwarzer Regen” nutzen rechtsradikale Demagogen die Bombe geschickt, um aus der politischen Bedeutungslosigkeit ins Zentrum der Macht zu treten. Aus Verzweiflung und Wut wird ein Flächenbrand, dessen Auswirkungen am Ende weit schlimmer sein könnten als die eigentliche Katastrophe.
Sind diejenigen, die von dem Anschlag profitieren, womöglich nicht nur Nutznießer, sondern gar die Urheber? Dies herauszufinden ist Aufgabe meines Protagonisten Lennard Pauly, dessen Sohn bei dem Anschlag starb. Doch auch Pauly ist nicht immun gegen den blinden Zorn, der ganz Deutschland erfasst hat.
Die Botschaft von “Schwarzer Regen” ist simpel: Selbst im Angesicht schrecklichen Unrechts müssen wir einen kühlen Kopf bewahren und dürfen nicht vorschnell urteilen. Würde uns das gelingen, wenn es tatsächlich zu einer solchen Katastrophe käme? Ich hoffe, dass wir das niemals herausfinden müssen.
Ein Gastbeitrag von Karl Olsberg
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Man darf den Menschen eben kein Feuer geben.
Kommentar: Zara – 12. November 2009 um 01:59