Ging Ihnen das auch schon mal so? Beim Einkauf im Supermarkt sieht man schon von weitem die eine Kassiererin, die immer so unfreundlich schaut und die Einkäufe übers Band schleudert. Da stellt man sich doch lieber an der anderen Kasse bei der netten Kassiererin an, die immer so freundlich grüßt und fragt, wie es einem geht.
Es menschelt sehr in Supermärkten. Hier entstehen Feindschaften, aber hier können auch jahrelange Freundschaften entstehen. Ihre ganz eigenen Erfahrungen als Kassiererin hat die französische Autorin Anna Sam gemacht. In dem Buch „Die Leiden einer jungen Kassiererin“ berichtet die 29-Jährige über ihre achtjährige Tätigkeit an der Supermarktkasse einer großen Ladenkette in Rennes.
Mit „Les tribulations d’une cassière“, wie das Buch im Original heißt, wurde Anna Sam in Frankreich zu einer Art „Jeanne d’Arc der Kassiererinnen“ (Sueddeutsche).
Alles fing mit einem typischen Studentenjob an: Während viele Studenten ihre Brötchen an der Kinokasse oder als Pizzaboten verdienen, hat Anna Sam ihr Literatur-Studium als Kassiererin finanziert. Als sie nach dem Studium keinen passenden Job fand, blieb Anna Sam kurzerhand im Supermarkt.
Während ihrer knapp acht Jahre an der Supermarktkasse konnte Anna Sam so einiges über das Verhältnis von Kunde und Kassiererin lernen. Von sämtlichen Gefühlsregungen von Wut bis Ignoranz bis hin zu wilden Revierkämpfen an der Kasse zwischen gestressten Hausfrauen und Senioren – Anna Sam hat die ganze „Palette der Menschlichkeit“ hautnah miterleben dürfen.
Ihre Erlebnisse hat die Literaturwissenschaftlerin in einem Weblog festgehalten. Bis Ende 2008 haben weit über 600.000 User das Tagebuch der engagierten Kassiererin mit akademischem Titel mitverfolgt.
Das Geheimnis des Erfolges von „Die Leiden einer jungen Kassiererin“ ist schnell erklärt: Statt fundamentaler Gesellschaftskritik erwarten den Leser amüsante Kurzepisoden aus dem Arbeitsalltag. „Einen magenbitteren Sozialreport“ lese sowieso keiner, meinte Anna Sam im Gespräch mit der Sueddeutschen, die sie kurzerhand zur „Storno-Queen“ ernannte.
Eines ist sicher: Nach dem Lesen von „Die Leiden einer jungen Kassiererin“ wird man es sich zwei Mal überlegen, ob man die Dame an der Kasse fragt, ob sie „offen“ sei, wenn man eigentlich die Kasse meint.
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