Europäischer Filmpreis, Goldene Palme in Cannes, Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film und eine Oscar-Nominierung: Das Drama Das weiße Band von Regisseur Michael Haneke überzeugt sämtliche Filmkritiker.
Während viele deutsche Kino- und Fernsehfilme fast zwanghaft versuchen mit bunten Bildern und folkloristischen Darbietungen Nostalgie zu schaffen, um so die Geschichte Deutschlands erträglich zu machen, setzt Haneke im Film Das weiße Band auf Hass und Ekel, Triebverzicht und Triebabfuhr in ihrer drastischsten Form.
„Eine deutsche Kindergeschichte“, so lautet der Untertitel des in wunderbarem Schwarzweiß gedrehten Films. Doch was sich so harmlos anhört ist in Wahrheit ein Horrorfilm des undefinierten Schreckens…
Ein Dorf in Vorpommern kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern – ein Querschnitt eben. Das protestantische Dorf ist ein geschlossenes System mit strengen moralischen Regeln. Doch das scheinbare Idyll wird bald zerstört: tödliche Arbeitsunfälle, Brände, Selbstmorde und gefolterte Kinder häufen sich und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?
Keine leichte Kost, was der Zuschauer von der deutsch-österreichisch-französischen Ko-Produktion vorgeführt bekommt: Ein Horrorfilm, dessen Geheimnisse nicht gelöst werden. Die Hauptfiguren dieses Films sind nicht die Erwachsenen, sondern die Kinder. Sie sind Opfer und Täter, die mit feuchtem, aber starrem Blick die Lektionen der Rohrstockpädagogik über sich ergehen lassen.
Michael Haneke, der österreichische Protestant, der als Kind Pastor werden wollte, zwingt und dazu, das Sehen neu zu lernen. Sein soll die Stimmung der Menschen zu einer ganz bestimmten Zeit zeigen. Einer Zeit, in der Kinder zu Monster werden, weil sie von den Erwachsenen lernen. Der Analytiker Haneke versucht mit brutaler Raffinesse die Umstände zu erklären, die aus diesen Kindern später Nationalsozialisten machen.
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